Die Radlerfalle Im Brückle

Ich werde nun in loser Folge die ganzen Brettener Gefahrenstellen im Radverkehr aufzählen. Anfangen werde ich mit einer der gefährlichsten, der Straße im Brückle:

Es gehört schon eine ganze Kanne Verstand dazu eine eigendlich so ungefährliche Straße wie Im Brückle in eine lebensgefährliche Radlerfalle zu verwandeln, aber die Stadt Bretten bekommt dies zuverlässig hin.
Wie dass?
Erst mal weißt man einen vollkommen unnötigen benutzungspflichtigen Radweg aus. Aber wozu? Benutzungspflicht darf nach StVO §45 Absatz 9 darf als Beschränkung des fließenden Verkehrs nur dann angeordnet werden…

…wenn auf Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung der in den vorstehenden Absätzen genannten Rechtsgüter erheblich übersteigt.

Sprich auf der Fahrbahn müsste irgendwas komplett Gefährliches anzutreffen sein. Ist es aber nicht. Daher ist eine Benutzungspflicht schon mal absolut unsinnig und illegal.

Auf den gemeinsamen Geh- und Radweg lauern aber sehr wohl Gefahren:
Zuerst einmal muss man die Fahrbahn auf Höhe der Pforzheimer Straße queren, für Brettener Verhältnisse geht das aber sogar komfortabel und sicher, schließlich gibt es eine Querungshilfe.

Auf den linksseitigen gemeinsamen Geh- und Radweg angekommen muss man feststellen, dass der Weg mit 2,4m zu schmal ist. Nach den Verwaltungsvorschriften zur StVO §2 Randziffer 20 ist die Mindestbreite einer solchen Konstruktion aber 2,5m. Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen verlangen als Regelmaß sogar 3m. Nur bei sehr geringer Radverkehrsstärke darf man ausnahmsweise 2,5m verwenden.
Nun sehen wir also einen benutzungspflichtigen Geh- und Radweg, der schon 2x gegen die StVO verstößt, aber trotzdem benutzt werden muss. Einen nachvollziehbaren Grund hat mir die Stadt Bretten bis heute nicht genannt. Aber das alles kennt man ja aus Bretten und sollte nicht weiter schockieren, wenn denn nicht das Radwegende wäre.

Dafür hat sich die Brettener Stadtverwaltung sehr viel Mühe gegeben und die gefährlichste Stelle im gesamten Verlauf des „Radweges“ gefunden:

So kann der Radfahrer auf keinen Fall sehen, wenn jemand aus den Wohngebieten kommend um die Ecke rast (hier sind trotz Kindergarten 50km/h erlaubt), und wird somit zuverlässig umgefahren. Auch für die Leute die aus den Wohngebieten kommen, ist es beinahe unmöglich vom Radweg auf die Fahrbahn wechselnde Radfahrer zu erkennen. Dazu kommt auch noch dass Radfahrer dazu verleitet werden den „Radweg“ in „Ideallinie“ zu verlassen, sprich die Kurve als Geisterfahrer durchfahren. Am Samstag begegnete ich an dieser Stelle einen Fahrradfahrer mit Kinderanhänger der genau so fuhr. Nur weil ich, die Gefahr kennend, dort mit meinem Fahrrad sehr langsam fuhr und bremsen sowie ausweichen konnte kam es nicht zur Kollision. Ein nicht ortskundiger Autofahrer (der ja nicht mit solch einen Unsinn rechnen muss) wäre wohl mit den Fahrradfahrer kollidiert.

Hier die Sicht wie sie die Verkehrsteilnehmer aus den Wohngebieten kommend auf die Stelle haben:

Schlussendlich muss man feststellen:

Diese „Radweg“konstruktion ist absolut lebensgefährlich und verstößt gegen das Gesetz. Einen Grund dort nicht auf der Fahrbahn zu fahren gibt es nicht. Und der einzigste Grund, weshalb es an dieser Stelle noch keine schweren Unfälle gab, ist ganz einfach:

Fast alle Fahrradfahrer wissen, dass diese Stelle absolut gefährlich ist. Deshalb fahren sie entweder auf den Gehweg weiter und gefährden die Kinder am Kindergarten und riskieren einen Strafzettel von 10€ oder sie fahren komplett auf der Fahrbahn (was dort das Sinnvollste ist) und riskieren einen Strafzettel von 15€. Beide Optionen sind aber besser als sich einfach an die Verkehrsregeln zu halten und mit seiner Gesundheit oder gar seinen Leben zu bezahlen.

Ich habe mich über diese Situation bereits 3x (2x schriftlich, 1x mündlich) beim Brettener Ordnungsamt beschwert. Es wird dort definitiv kein Handlungsbedarf gesehen.

3 Gedanken zu „Die Radlerfalle Im Brückle

  1. Matz

    die Situation im Schulzentrum-Ost beim Edith-Stein-Gymnasium ist für Radfahrer, also hauptsächlich Schüler/Innen oder Besucher des Sportzentrums, ebenfalls sehr gefährlich. Zuerst ist der Breitenbachweg mit 13m von Bordstein zu Bordstein die breiteste Strasse in Bretten (nomen est omen) und war ursprünglich bis 2001 als 30km-Zone ausgewiesen, danach wurde eine “streckenbezogene Geschwindigkeitsbegrenzung” auf 30km/h eingeführt, was der Bevölkerung als gleichwertig dargestellt wurde. Fakt ist, man wollte sich die vorgeschriebene “Ausgestaltung” einer 30-km-Zone, also Verschmälerung der Fahrbahnen und Anlage von separaten Radwegen einfach schenken.
    Statt dessen hat man in Richtung Stadtmitte rote Farbe auf die Fahrbahn gepinselt, diesen Randtreifen müssen sich die Radfahrer mit Auto und Bussen teilen. Halten Busse am ESG an, müssen die Radfahrer warten oder überholen! Im weiteren Verlauf Richtung Stadtmitte, beim Rettungszentrum, endet der Radweg abrupt und wird Teil der Fahrbahn, eine auch von Busfahrern gefürchtete Gefahrenstelle.
    In Gegenrichtung ist der Radweg zum Schulzentrum teilweise als kombinierter Rad-Gehweg ausgeführt, der wesentlich zu schmal ist, was Radfahrer regelmäßig auf die Strasse zwingt. In diese Richtung endet der Radweg ebenfalls abrupt an der Eisenbahnbrücke beim ESG, Radfahrer queren dann dort die Fahrbahn um den Radweg auf der anderen Straßenseite zu benutzen, was ebenfalls eine erhebliche Gefahrenstelle darstellt.
    Der BürgerArbeitsKreis BAK, hat die Situation im Schulzentrum-Ost dokumentiert und bereits mehrfach bei der Stadtverwaltung angemahnt , dort findet man die Situation jedoch ausreichend sicher, zudem wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Breitenbachweg kein “Unfallschwerpunkt” sei. Das heißt, solange kein Unfall passiert, wird auch nichts gemacht!

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    1. Erich Fey Artikelautor

      Das mit der Aufgabe der 30er Zone könnte damit zu tun haben dass nach der StVO keine Vorfahrtsregeln, Zebrastreifen und benutzungspflichtige Radwege liegen dürfen. Der Breitenbachweg ist aber wie bekannt eine Vorfahrtsstraße mit Radwegen und Zebrastreifen, daher war die vorherige 30er Zone wohl (wie so viele Verkehrsanordnungen in Bretten) nicht mit der StVO vereinbar.

      An der Anlage von Radfahrstreifen kann ich jetzt erst mal nichts schlechtes erkennen, außer das die im Breitenbachweg nicht den Erfordernisen der Radwegenorm ERA genügen. Radfahrstreifen gelten neben Fahrradstraßen als die sicherste Art von Radverkehrsanlagen überhaupt, weshalb Städte die an einer ernsthaften Radverkehrsförderung interessiert sind in großen Stil Bordsteinradwge (die als besonders unsicher gelten) durch Radfahrstreifen ersetzen. Das mag zwar auf den ersten Blick nicht logisch erscheinen, jedoch sind oft 25% bis 50% aller tödlichen Fahrradunfälle auf sogenannte Rechtsabbiegerunfälle zurückzuführen. Diese sind ein typisches Phänomen von Bordsteinradwegen. Auf Radfahrstreifen haben die Autofahrer die Radfahrer meist besser im Blick und können auf diese reagieren. Zudem sind auf Radfahrstreifen keine Konflikte mit Fußgängern zu erwarten, was auf Bordsteinradwegen jedoch relativ häufig zu beobachten ist.

      Hier mal ein Beispiel eines Umbaus vom Radweg zum Radfahrstreifen aus Karlsruhe (Mühlburger Tor):
      Vorher: http://static.panoramio.com/photos/1920×1280/81151260.jpg
      Nachher: http://static.panoramio.com/photos/1920×1280/81151264.jpg

      Die Stadt Karlsruhe untersucht übrigens immer die Radverkehrs-Maßnahmen auf deren Auswirkung auf die Unfallhäufigkeit und die akzeptanz. Solche Umbauten bringen in beiden Kathegorien Erfolge.

      Antworten
  2. Henning

    Schön finde ich die Tatsache, das Gefährdung von Fußgängern 10€ kostet und vermeintliche Behinderung des Kfz-Verkehrs 15€; wer sich da nichts Böses bei denkt…

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