Archiv für den Monat: Dezember 2012

Der Todeskreisel

Nachdem ich hier schon 2x (hier und hier) über Kreisverkehre berichtet habe, möchte ich nun mal ein kleines praktisches Experiment vorstellen:

Ich umrundete dazu je 3x den ovalen Kreisverkehr in der Bahnhofstraße. Und das zuerst auf den „Radwegen“, wie dies laut Landratsamt, Stadtverwaltung und Polizei am sichersten sei und danach machte ich das gleiche auf der Fahrbahn. Das Ergebnis hat mich dann doch überrascht denn so schlimm hatte ich die Situation nicht eingeschätzt:

Im Schnitt ergab sich pro Runde eine gefährliche Situation, die bei Unachtsamkeit beider beteiligten zu einer lebensgefährlichen Kollision hätte führen können. Um mich nicht unnötig zu gefährden (wir wissen ja, wie gefährlich Radwege im Kreisverkehr sind), entstanden die Aufnahmen nicht während der Hauptverkehrszeit, sondern bei mäßigen Verkehr an einen Samstag Nachmittag.

Man braucht natürlich nicht zu erwähnen, dass ich trotz, deutlich flotterer Fahrweise auf der Fahrbahn keine einzige gefährliche Situation erlebt habe. Die „Logik“ Radfahrer auf die Gehwege zu verbannen wird also mit jedem Nachdenken darüber undurchsichtiger.

Sicher durch den Kreisverkehr

Kreisverkehre bringen bei geringer bis mittlerer Verkehrsstärke erhebliche Zeit- und Sicherheitsgewinne für den Autoverkehr und auch der Fußverkehr kann davon profitieren. Doch leider gilt das nicht für den Radverkehr. Dieser wird zwar nicht mehr gefährdet als an anderen Kreuzungsformen, doch sicherer wird es für ihn nicht unbedingt. Jetzt hat eine Studie der Unfallforschung der Versicherer die verschiedenen Führungsformen des Radverkerkehrs untersucht, um herauszufinden wie man einen Kreisverkehr mit dem Fahrrad am besten durchquert.

Erst mal wurden die verschiedenen Führungsformen definiert:

  • Radverkehr auf der Fahrbahn
  • Radverkehr im Seitenraum, bevorrechtigt
  • Radverkehr im Seitenraum untergeordnet

Das Fazit der Studie ist eindeutig:

Nach Merkblatt gestaltete Kreisverkehre sind relativ sicher.

  • Das Ablenkmaß ist unbedingt so zu wählen, dass eine geschwindigkeitsreduzierende Wirkung erreicht wird. Markierte Innenringe sind dazu ungeeignet, da sie permanent überfahren werden.
  • Mischverkehr auf Kreisfahrbahn ist sicherste Form der Radverkehrsführung, auch bei hohen Belastungen.
  • Radwege mit Bevorrechtigung (Furtmarkierungen) sind unsicherste Führungsform und bieten für Radverkehr keine Verbesserung gegenüber signalisierten Knotenpunkten (aber auch keine Verschlechterung).

Gut, wieso ist das so?

Die Untersuchung hat gezeigt dass Radfahrer ihre Vorfahrt bei bvorrechtigung im Seitenraum auch offensiv einfordern. Das dumme daran ist aber dass wegen der höheren Geschwindigkeit des Radverkehrs die Autofahrer die Radfahrer längst nicht so gut sehen, diese sind auf den Radweg auch unter Umständen schneller unterwegs als die Autos auf der Kreisfahrbahn. Da ist es schlicht logisch, dass Autofahrer auch mal Radfahrer übersehen und dann kommt es eben zu Kollisionen, vor allem da auf solchen Radverkehrsführungen Radfahrer oft entgegen der Kreisrichtung unterwegs sind. Sind die Radfahrer im Seitenraum untergeordnet müssen diese sich an den Aus- und Einfahrten um ihre Sicherheit kümmern und tauchen nicht überraschend vor Autos auf. Fahren die Fahrradfahrer aber auf der Fahrbahn dann sind diese genau dort, wo Autofahrer sowieso andere Verkehrsteilnehmer vermuten müssen und die Radfahrer werden automatisch gesehen.

Beim Fahren auf der Kreisfahrbahn entstehen 19% aller Unfälle dadurch, dass Autofahrer Radfahrer kurz vor den ausfahren, noch überhohlen. Daher ist es auf jeden Fall anzuraten so zu fahren, dass man im Kreisverkehr nicht überholt werden kann. Das heißt also, in der Mitte der Fahrbahn zu fahren. Dies ist nach zahlreichen Verkehrsexperten auch aus den Baden-Württembergischen Verkehrsministerium keine Behinderung/Nötigung usw. da in 1-spurigen Kreisverkehren sowieso Überholverbot herrscht. Zu diesen Thema noch ein Verkehrssicherheitsfilm aus der Schweiz:

Es ist schon seltsam, dass in Bretten ausgerechnet die Kreisverkehre mit den größten Verkehrsaufkommen für Radfahrer unbrauchbar gestaltet wurden. Die einzigen für Radverkehr sicheren Kreisverkehre befinden sich in Tempo 30 Zonen oder dort, wo kein Platz war, Fahrradfahrer zu gefährden. Als halbwegs sicher kann man noch den Kreisverkehr in der Pforzheimer Straße beim Kraichgaucenter ansehen, doch ist dort leider eine nicht sehr befriedigende Situation für Fußgänger entstanden.

Wieso die Straßenverkehrsbehörden nicht einfach das sichere Fahrradfahren auf der Fahrbahn erlauben, wird wohl deren Geheimnis bleiben. Objektiv gibt es keine Gründe dagegen.