Kategorie-Archiv: Tips zum sicheren Radfahren

Herrmann und die Helmpflicht

So, nun hat also Verkehrsminister Herrmann ein Gutachten über Sinn und Unsinn einer Helmpflicht auf den Weg gebracht. Dies Soll klären inwiefern Helme überhaupt schützen, und ob Radler im Falle einer Helmpflicht dann wieder auf andere Verkehrsmittel umsteigen.

Die badische Zeitung hat nun einen Artikel darüber gebracht der dann doch wieder zum schmunzeln ist:

In Baden-Württemberg verunglückten 42 Radfahrer tödlich, von denen 33 keinen Helm trugen.

AHA. Bei einer Helmtragequote von 10% sollten also maximal 4 Radler mit Helm tödlich verunglücken, wenn man denn ernsthaft von einer Sicherheitswirkung von Helmen ausgehen will.

Dies ist aber ganz augenscheinlich schon einmal nicht der Fall, diese Zahlen lassen (mal wieder) eher das Gegenteil vermuten.

Es bleibt spannend, was in dieses Gutachten hineinfließt, aber wenn man die Erfahrungen aus Australien (wo man dank Helmpflicht einen deutlichen Rückgang des Radverkehrs verzeichnen kann) und die Untersuchungen aus Großbritannien (wo man feststellte, dass man mit Helm viel dichter überholt wird) dann kann man mit gesundem Menschenverstand nicht zu einer Helmpflicht kommen.

Der Todeskreisel

Nachdem ich hier schon 2x (hier und hier) über Kreisverkehre berichtet habe, möchte ich nun mal ein kleines praktisches Experiment vorstellen:

Ich umrundete dazu je 3x den ovalen Kreisverkehr in der Bahnhofstraße. Und das zuerst auf den „Radwegen“, wie dies laut Landratsamt, Stadtverwaltung und Polizei am sichersten sei und danach machte ich das gleiche auf der Fahrbahn. Das Ergebnis hat mich dann doch überrascht denn so schlimm hatte ich die Situation nicht eingeschätzt:

Im Schnitt ergab sich pro Runde eine gefährliche Situation, die bei Unachtsamkeit beider beteiligten zu einer lebensgefährlichen Kollision hätte führen können. Um mich nicht unnötig zu gefährden (wir wissen ja, wie gefährlich Radwege im Kreisverkehr sind), entstanden die Aufnahmen nicht während der Hauptverkehrszeit, sondern bei mäßigen Verkehr an einen Samstag Nachmittag.

Man braucht natürlich nicht zu erwähnen, dass ich trotz, deutlich flotterer Fahrweise auf der Fahrbahn keine einzige gefährliche Situation erlebt habe. Die „Logik“ Radfahrer auf die Gehwege zu verbannen wird also mit jedem Nachdenken darüber undurchsichtiger.

Sicher durch den Kreisverkehr

Kreisverkehre bringen bei geringer bis mittlerer Verkehrsstärke erhebliche Zeit- und Sicherheitsgewinne für den Autoverkehr und auch der Fußverkehr kann davon profitieren. Doch leider gilt das nicht für den Radverkehr. Dieser wird zwar nicht mehr gefährdet als an anderen Kreuzungsformen, doch sicherer wird es für ihn nicht unbedingt. Jetzt hat eine Studie der Unfallforschung der Versicherer die verschiedenen Führungsformen des Radverkerkehrs untersucht, um herauszufinden wie man einen Kreisverkehr mit dem Fahrrad am besten durchquert.

Erst mal wurden die verschiedenen Führungsformen definiert:

  • Radverkehr auf der Fahrbahn
  • Radverkehr im Seitenraum, bevorrechtigt
  • Radverkehr im Seitenraum untergeordnet

Das Fazit der Studie ist eindeutig:

Nach Merkblatt gestaltete Kreisverkehre sind relativ sicher.

  • Das Ablenkmaß ist unbedingt so zu wählen, dass eine geschwindigkeitsreduzierende Wirkung erreicht wird. Markierte Innenringe sind dazu ungeeignet, da sie permanent überfahren werden.
  • Mischverkehr auf Kreisfahrbahn ist sicherste Form der Radverkehrsführung, auch bei hohen Belastungen.
  • Radwege mit Bevorrechtigung (Furtmarkierungen) sind unsicherste Führungsform und bieten für Radverkehr keine Verbesserung gegenüber signalisierten Knotenpunkten (aber auch keine Verschlechterung).

Gut, wieso ist das so?

Die Untersuchung hat gezeigt dass Radfahrer ihre Vorfahrt bei bvorrechtigung im Seitenraum auch offensiv einfordern. Das dumme daran ist aber dass wegen der höheren Geschwindigkeit des Radverkehrs die Autofahrer die Radfahrer längst nicht so gut sehen, diese sind auf den Radweg auch unter Umständen schneller unterwegs als die Autos auf der Kreisfahrbahn. Da ist es schlicht logisch, dass Autofahrer auch mal Radfahrer übersehen und dann kommt es eben zu Kollisionen, vor allem da auf solchen Radverkehrsführungen Radfahrer oft entgegen der Kreisrichtung unterwegs sind. Sind die Radfahrer im Seitenraum untergeordnet müssen diese sich an den Aus- und Einfahrten um ihre Sicherheit kümmern und tauchen nicht überraschend vor Autos auf. Fahren die Fahrradfahrer aber auf der Fahrbahn dann sind diese genau dort, wo Autofahrer sowieso andere Verkehrsteilnehmer vermuten müssen und die Radfahrer werden automatisch gesehen.

Beim Fahren auf der Kreisfahrbahn entstehen 19% aller Unfälle dadurch, dass Autofahrer Radfahrer kurz vor den ausfahren, noch überhohlen. Daher ist es auf jeden Fall anzuraten so zu fahren, dass man im Kreisverkehr nicht überholt werden kann. Das heißt also, in der Mitte der Fahrbahn zu fahren. Dies ist nach zahlreichen Verkehrsexperten auch aus den Baden-Württembergischen Verkehrsministerium keine Behinderung/Nötigung usw. da in 1-spurigen Kreisverkehren sowieso Überholverbot herrscht. Zu diesen Thema noch ein Verkehrssicherheitsfilm aus der Schweiz:

Es ist schon seltsam, dass in Bretten ausgerechnet die Kreisverkehre mit den größten Verkehrsaufkommen für Radfahrer unbrauchbar gestaltet wurden. Die einzigen für Radverkehr sicheren Kreisverkehre befinden sich in Tempo 30 Zonen oder dort, wo kein Platz war, Fahrradfahrer zu gefährden. Als halbwegs sicher kann man noch den Kreisverkehr in der Pforzheimer Straße beim Kraichgaucenter ansehen, doch ist dort leider eine nicht sehr befriedigende Situation für Fußgänger entstanden.

Wieso die Straßenverkehrsbehörden nicht einfach das sichere Fahrradfahren auf der Fahrbahn erlauben, wird wohl deren Geheimnis bleiben. Objektiv gibt es keine Gründe dagegen.

Fahrräder spätestens jetzt Winterfest machen

Wer jetzt lesen will, wie man sein Fahrrad am besten im Keller einmottet, wird enttäuscht sein, denn es geht natürlich darum, wie man am besten mit dem Fahrrad auch im Winter unterwegs sein kann. Denn dies ist definitiv möglich und auch leicht umzusetzen:

Licht:
Hier sollte man nicht sparen, denn dies ist die wichtigste Sicherheitsmaßnahme im dunklen Winter. Zumindest das Rücklicht, am besten aber auch das Frontlicht sollte eine Standlichtfunktion haben, damit man eben auch beim Warten an Kreuzungen gesehen wird. Vor allem Beleuchtung mit Seitenläuferdynamo erfüllt zwar die StVO, ist aber viel zu schwach. Es wird empfohlen dringend ergänzende Beleuchtung mit Batterielicht oder in eine neue Lichtanlage mit Nabendynamo zu investieren. Einige Frontlichter der neusten Generation ermöglichen sogar das Laden von Handys usw. über USB-Kabel.

Reifen:
Wer sein Fahrrad auch bei Glatteis benutzen will, den kann man Spikesreifen empfehlen. Diese sind im regulären Fahrradhandel erhältlich, kosten allerdings um die 50€ das Stück (je nach Qualität und Anzahl der Spikes). Vor der ersten Glatteisfahrt sollten diese aber mindestens 40km vorsichtig eingefahren werden (heftige Fahrtbewegungen vermeiden). Für gewöhnlich fliegen beim Einfahren mehrere Spikes aus den Reifen heraus die durch Ersatzspikes ersetzt werden müssen. Auch diese bekommt man für wenig Geld beim Fahrradhändler. Das Einsetzen kann der Fahrradhänder übernehmen, man kann es aber auch selbst unter den Einsatz einer Zange (am besten eine Rohrzange oder Kombizange) erledigen.

Bremsen
Vor den Winter sollten die Bremsen und die Bremsscheiben/Felden unbedingt auf Verschleiß überprüft werden. Vor allem matsch und Streumittel führen zu einer erheblich größeren Abnutzung der Bremskomponenten.

Antrieb
Auch hier ist durch die erhöhte Verschmutzung mit erheblich größeren Verschleiß zu rechnen. Daher sollte die Kette regelmäßig gereinigt und überprüft werden.
Tip: Bei Nabenschaltungen ist meist eine vollständige Ketteneinfassung möglich. Hier bitte beim Fahrradhändler nachfragen was für die jeweilige Schaltung in Frage kommt.

Winterrad:
Wenn mehrere Fahrräder zur Verfügung stehen dann empfiehlt es sich nur eines mit Spikesreifen auszustatten um einen zu großen verschließ dieser teuren Reifen zu vermeiden. Dann kann regulär ein Fahrrad mit normalen Reifen verwendet werden und bei Bedarf wird das mit Spikes ausgerüstete Rad verwendet.

Über das fahren eines Fahrrades im Winter werde ich noch einmal in einen seperaten Beitrag unterrichten.