Kategorie-Archiv: Ordnungsamt Bretten

Der Todeskreisel

Nachdem ich hier schon 2x (hier und hier) über Kreisverkehre berichtet habe, möchte ich nun mal ein kleines praktisches Experiment vorstellen:

Ich umrundete dazu je 3x den ovalen Kreisverkehr in der Bahnhofstraße. Und das zuerst auf den „Radwegen“, wie dies laut Landratsamt, Stadtverwaltung und Polizei am sichersten sei und danach machte ich das gleiche auf der Fahrbahn. Das Ergebnis hat mich dann doch überrascht denn so schlimm hatte ich die Situation nicht eingeschätzt:

Im Schnitt ergab sich pro Runde eine gefährliche Situation, die bei Unachtsamkeit beider beteiligten zu einer lebensgefährlichen Kollision hätte führen können. Um mich nicht unnötig zu gefährden (wir wissen ja, wie gefährlich Radwege im Kreisverkehr sind), entstanden die Aufnahmen nicht während der Hauptverkehrszeit, sondern bei mäßigen Verkehr an einen Samstag Nachmittag.

Man braucht natürlich nicht zu erwähnen, dass ich trotz, deutlich flotterer Fahrweise auf der Fahrbahn keine einzige gefährliche Situation erlebt habe. Die „Logik“ Radfahrer auf die Gehwege zu verbannen wird also mit jedem Nachdenken darüber undurchsichtiger.

Der große Kreisel-Irrsinn

Anfang Oktober wurde am ovalen Kreisel an der Zufahrt der Bahnhofstraße die Radwegfurt verändert. Dadurch wird der Schwenk vor der Radwegfurt aus der Zähringer Straße kommend etwas entspannt, doch aus der Bahnhofstraße kommend sieht es jetzt ganz lustig aus:Hier ist es mit nur artistischen Künsten möglich, den Radweg zu folgen. Dies habe ich mal zum Anlass genommen ein Video über diesen Kreisel zu drehen. Da ich mit meinen wendigen Faltrad fuhr kam ich an dieser Stelle sogar ums Eck…

Das man neue “Radwege” prinzipiell nach den Normen zu bauen hat ist wohl irgendwie im eifer des Gefechts untergegangen. Die ERA fordert:

  • Mindestens 2m Radwegbreite, ausnahmen nur bei geringer Radverkehrsstärke (ERA 2010, Abschnitt 2.2.1)
  • eine taktile, mindestens 0,3m breite Trennlinie zwischen Gehweg und Radweg (ERA 2010, Abschnitt 11.1.5)
  • kreisbetonte Führung ohne Verschwenkungen (ERA 4.5.3)

Wird dies nicht erfüllt, darf man keine Radverkehrsanlage NEU bauen. Daher ist in diesen Kreisel eine Fahrbahnführung einzurichten.

Die Radlerfalle Im Brückle

Ich werde nun in loser Folge die ganzen Brettener Gefahrenstellen im Radverkehr aufzählen. Anfangen werde ich mit einer der gefährlichsten, der Straße im Brückle:

Es gehört schon eine ganze Kanne Verstand dazu eine eigendlich so ungefährliche Straße wie Im Brückle in eine lebensgefährliche Radlerfalle zu verwandeln, aber die Stadt Bretten bekommt dies zuverlässig hin.
Wie dass?
Erst mal weißt man einen vollkommen unnötigen benutzungspflichtigen Radweg aus. Aber wozu? Benutzungspflicht darf nach StVO §45 Absatz 9 darf als Beschränkung des fließenden Verkehrs nur dann angeordnet werden…

…wenn auf Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung der in den vorstehenden Absätzen genannten Rechtsgüter erheblich übersteigt.

Sprich auf der Fahrbahn müsste irgendwas komplett Gefährliches anzutreffen sein. Ist es aber nicht. Daher ist eine Benutzungspflicht schon mal absolut unsinnig und illegal.

Auf den gemeinsamen Geh- und Radweg lauern aber sehr wohl Gefahren:
Zuerst einmal muss man die Fahrbahn auf Höhe der Pforzheimer Straße queren, für Brettener Verhältnisse geht das aber sogar komfortabel und sicher, schließlich gibt es eine Querungshilfe.

Auf den linksseitigen gemeinsamen Geh- und Radweg angekommen muss man feststellen, dass der Weg mit 2,4m zu schmal ist. Nach den Verwaltungsvorschriften zur StVO §2 Randziffer 20 ist die Mindestbreite einer solchen Konstruktion aber 2,5m. Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen verlangen als Regelmaß sogar 3m. Nur bei sehr geringer Radverkehrsstärke darf man ausnahmsweise 2,5m verwenden.
Nun sehen wir also einen benutzungspflichtigen Geh- und Radweg, der schon 2x gegen die StVO verstößt, aber trotzdem benutzt werden muss. Einen nachvollziehbaren Grund hat mir die Stadt Bretten bis heute nicht genannt. Aber das alles kennt man ja aus Bretten und sollte nicht weiter schockieren, wenn denn nicht das Radwegende wäre.

Dafür hat sich die Brettener Stadtverwaltung sehr viel Mühe gegeben und die gefährlichste Stelle im gesamten Verlauf des „Radweges“ gefunden:

So kann der Radfahrer auf keinen Fall sehen, wenn jemand aus den Wohngebieten kommend um die Ecke rast (hier sind trotz Kindergarten 50km/h erlaubt), und wird somit zuverlässig umgefahren. Auch für die Leute die aus den Wohngebieten kommen, ist es beinahe unmöglich vom Radweg auf die Fahrbahn wechselnde Radfahrer zu erkennen. Dazu kommt auch noch dass Radfahrer dazu verleitet werden den „Radweg“ in „Ideallinie“ zu verlassen, sprich die Kurve als Geisterfahrer durchfahren. Am Samstag begegnete ich an dieser Stelle einen Fahrradfahrer mit Kinderanhänger der genau so fuhr. Nur weil ich, die Gefahr kennend, dort mit meinem Fahrrad sehr langsam fuhr und bremsen sowie ausweichen konnte kam es nicht zur Kollision. Ein nicht ortskundiger Autofahrer (der ja nicht mit solch einen Unsinn rechnen muss) wäre wohl mit den Fahrradfahrer kollidiert.

Hier die Sicht wie sie die Verkehrsteilnehmer aus den Wohngebieten kommend auf die Stelle haben:

Schlussendlich muss man feststellen:

Diese „Radweg“konstruktion ist absolut lebensgefährlich und verstößt gegen das Gesetz. Einen Grund dort nicht auf der Fahrbahn zu fahren gibt es nicht. Und der einzigste Grund, weshalb es an dieser Stelle noch keine schweren Unfälle gab, ist ganz einfach:

Fast alle Fahrradfahrer wissen, dass diese Stelle absolut gefährlich ist. Deshalb fahren sie entweder auf den Gehweg weiter und gefährden die Kinder am Kindergarten und riskieren einen Strafzettel von 10€ oder sie fahren komplett auf der Fahrbahn (was dort das Sinnvollste ist) und riskieren einen Strafzettel von 15€. Beide Optionen sind aber besser als sich einfach an die Verkehrsregeln zu halten und mit seiner Gesundheit oder gar seinen Leben zu bezahlen.

Ich habe mich über diese Situation bereits 3x (2x schriftlich, 1x mündlich) beim Brettener Ordnungsamt beschwert. Es wird dort definitiv kein Handlungsbedarf gesehen.